Karies galt als eine fest besiegte Volkskrankheit. Doch die Zahl der kleinen Kinder mit Löchern in den Zähnen steigt wieder - vor allem bei denen aus ärmeren Familien. Die Kinder müssen teils in Vollnarkose behandelt werden. Operationen, die vermeidbar wären, sagen Zahnärzte.

Die Volkskrankheit Karies wird seit Jahrzenhten intensiv bekämpft, etwa durch die schulärztlichen Untersuchen. Bis vor ein paar Jahren waren Zahnärzte der Hoffnung, die durch Bakterien ausgelöste Zahnfäule für immer aus unseren Mündern verbannen zu können. Vor allem der Zahnstatus bei Kindern stimmte sie zuversichtlich: Karies im Kindesalten trat immer seltener auf. Der Kampf schien schon fast gewonnen. Doch die Freude kam zu früh, denn es gibt einen neue Entwicklung.





Früherkennung greift zu spät

Nach einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts leiden zwischen sieben und 20 Prozent aller Kleinkinder in Deutschland unter massiver Karies. Es sind Kinder wie Lorina. Sie musste in einer Zahnklinik unter Narkose behandelt werden, weil zu viele Zähne befallen sind. Erst bei der Untersuchung der Sechsjährigen durch Zahnärztin Ursula Hegner zeigte sich das ganze Ausmaß: Von 20 Milchzähnen waren gerade noch acht nicht mit Karies befallen. Rund zwei Stunden dauerte die Operation, bei der zwei Zähne nicht gezogen werden mussten. Ärztin Hegner sieht das Problemvor allem darin, dass die erste Früherkennungsuntersuchung für die Zähne mit zweieinhalb Jahre alten Kinder ansteht. Dann aber seien viele Milchzähne bereits entwickelt. 

Unwissenheit verursacht unnötige Operationen

Die Ärztin hat zudem die Boabachtung gemacht, dass Eltern bei Milchzähnen das Risiko der Karies unterschätzen, weil sie meinten, diese würde nach ein paar Jahren eh wieder ausfallen. Doch dass sich die Bakterien auch auf die bleibenden Zähne übertragen ist einigen nicht klar. "Es ist ein Informationsdeffizit der Eltern, die nicht wissen, wie wichtig die Zahnpflege ab dem ersten Zahn ist", sagt Hegner. Sie appelliert deshalb, die Zähne zu putzen, sobald diese zu sehen sind. Auch Eltern in ihrer Praxis wird das Problem erst in Nachhinein klar. Doch dann kann den betroffenen Kindern nur noch mit einer umfangreichen Operation geholfen werden. Operationen, die auch aus Sicht der Mediziner vermeidbar wären.